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„Ägyptisch Blau“  erleben

Ferien auf dem Sinai mit Dörte Michaelis


Leicht veränderter Auszug aus einem Artikel der 2006 in der Keramikzeitschrift  „Neue Keramik“ veröffentlicht wurde.

„Gerade sind wir in Sharm el Sheikh  gelandet. Der Mann auf dem Flughafen winkt das Flugzeug in die Halteposition. Ich habe noch die Bilder vom Meer vor Augen: das Beige und die zarten Grüntöne der Korallenbänke und das intensive Türkis, das sich am Horizont zu tiefem Pariserblau verdichtet. Nun freue ich mich auf meine Zeit auf dem Sinai.
Das Stichwort „Delphinschwimmen“ lockte mich vor fünf Jahren in das Beduinendorf El Muzeina auf den Sinai.. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet und war überwältigt. Die herzliche Gastfreundschaft dieser freundlichen, schönen und fröhlichen Menschen dort ließen mich fast vergessen, dass ich als Tourist kam. Das Rote Meer hat mich sanft und kühl aufgenommen und mich seine Schätze erleben lassen. Die zauberhaften Korallenriffe mit all seinen Bewohnern und die Delphine.... ich durfte den hautnahen Kontakt mit Ihnen erleben, ihr  Kreisen im Wasser vor Abdallas Haus zum Sonnenaufgang, ihr gutmütiges Dulden der zahlreichen, neugierigen Besucher und ihre übermütige Freude beim Spiel mit den Beduinen.
Tief in der Seele berührt hat mich auch die stille, archaische,  bizarre Schönheit der Bergwüste.
Ich lernte, mich auf den langsamen Rhythmus einzuschwingen und dachte viel darüber nach, was eigentlich wirklich wichtig ist. Und ich kam wieder.
Inzwischen gibt es die Delphine dort nicht mehr. Einiges hat sich verändert. Vieles hat sich entwickelt. Ich fahre jetzt mehrmals im Jahr auf den Sinai, lerne, genieße und gebe Kurse. Geblieben ist das Wesentliche: offene, freundliche Leute, eine tiefe Freundschaft zu Misho  und unsere intensive Zusammenarbeit in dieser bezaubernden Landschaft.“ D.M.


Während sich die Experten streiten, welcher nun der richtige wissenschaftliche Name für das Ägyptisch blau ist, interessiert sich die Keramikerin Dörte Michaelis eher für das leuchtende Blau des Roten Meeres. Aber auch das ist eigentlich der Golf von Aquaba  und nur dann Rot, wenn der Sonneuntergang eine ganz bestimmte Abendstimmung zaubert.  
Dort in Ägypten, auf dem Sinai, nördlich von Nuweiba, in Misho`s Camp, in der Werkstatt am Strand, steht ihr kleiner Gasofen. Seit einiger Zeit bietet sie Kurse ganz besonderer Art an:
"Ägyptisch Blau“, bekannt schon aus  Pharaonischer Zeit, durch Kasseler Keramiker neu erforscht. (siehe die Veröffentlichungen in der „Neuen Keramik“ und das Buch „Türkis und Azur“ von Ralf Busz und u.a.)
Ursprünglich hier auf dem Sinai als ein Nebenprodukt der Kupferverhüttung entdeckt, entwickelte sich die Kieselkeramik mit ihren wunderbaren Blautönen zu einer eigenen keramischen Ausdrucksform an die sie die Kursteilnehmer in ersten Schritten heranführt.
Dörte Michaelis fährt mit Ihren Gästen in die Wüste. Die dort gesammelten und zerstoßenen Quarzkiesel bilden das Grundmaterial, aus dem dann Figuren,  Amulette oder Schmuckgegenstände geformt werden. Unter Anleitung der Künstlerin entstehen in einem behutsamen Prozess persönliche Motive, mit Hilfe kleiner Zeichnungen, oder Scharrbildern am Strand oder direkt im Material. Die an sich völlig unplastische Masse wird mit Bentonit und Kleister etwas formbarer. Die getrockneten Arbeiten werden in einer Kapsel mit Quarz, Soda und Kupfer eingebettet gebrannt. Mit dieser, Zementationsverfahren genannten Technik, erzielt man ein leuchtendes Türkisblau.
Eine zweite Technik ist das Effloreszensverfahren bei dem das Salz und das Kupfer schon Bestandteil der Grundmasse sind. Da hat man allerdings nur eine sehr kurze Verarbeitungszeit. Die künftige Glasur wandert in Form von Salzkristallen beim Trocknen kontinuierlich nach außen und darf nicht abgegriffen werden weil sie die Glasur bildet. Hier erhält man ein eher opakes dunkleres Blau.
Ihren Wunsch, ihren Kursteilnehmern Inspiration und archaische Erfahrungen in der direkten schöpferischen Auseinandersetzung mit der faszinierenden Wüstenlandschaft zu ermöglichen, realisiert sie auch auf anderen Wegen: „ ...mit einer Zeitung in die Wüste fahren und nach drei Tagen mit im Papierofen gebrannter Keramik wiederkommen...“ ist ihr neuestes Projekt.

 


Ein Ausflug mit dem Jeep führt in ein Wadi der Bergwüste, in dem es einen besonders guten Ton und viel Schwemmholz von der letzten Flut gibt. Aus diesem Ton können Figuren oder Schalen geformt werden, die dann in der Sonne trocknen. Man besichtigt inzwischen die Oase Ain Umm Achmed in einer bezaubernden Landschaft mit Canyons, Wasserlauf und über 5000 Jahre alten Nawamis (Steinsetzungen in Rundhausform ) und ist auch bei Beduinen zu Gast. Am nächsten Tag werden dann die Papieröfen gebaut, mit Holz und Keramik gefüllt und in der darauffolgenden Nacht gebrannt. Die Gäste kehren mit ihren Werken und einem Wüstenerlebnis zurück, das seinesgleichen sucht.
Die Kurse von Dörte Michaelis sind etwas für Keramikfreunde und Reisende, die das Besondere, Abgeschiedene abseits der gängigen Touristenpfade suchen.
Die Unterkunft und kompetente Betreuung in Misho´s Camp sowie unterwegs zeichnen sich durch eine herzliche, familiäre Atmosphäre aus. Das Camp direkt am Strand, mit schönen Riffen zum Schnorcheln, hat ca. 19 Hütten, ein Beduinenzelt, zwei große Arischas (Schattenplätze), eine exzellente Küche, Wassertoiletten und Duschen mit Warmwasser, Strom vom Generator und ein harmonisches Team. Den Urlaub runden Ausflügen zu den schönsten Korallenriffen der Umgebung ab, sowie weitere Wanderungen und Fahrten in die sich ständig verwandelnde, an Formen und Farben so reiche Bergwüste. Es werden Paketpreise für Unterkunft, Trips und Vollverpflegung angeboten.
Für alle Rückfragen steht Dörte Michaelis zur Verfügung.

* Weitere Namen sind „Ägyptische Fayence“, was fälschlicherweise eine Verwandtschaft suggeriert mit der Fayence, also hellem Scherben, mit weißer Zinnglasur und Bemalung, Kieselkeramik als Oberbegriff oder Quarzkeramik was eher auf den Grundstoff bezogen ist. Im Englischen gibt es die "Egyptien paste" . Dabei versteht man unter „Ägyptisch Blau“ eigentlich einen gefritteten, gemahlenen Blaufarbkörper.